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Freitag, 25. März 2016

The Spectator: Der Westen wird nicht einmal seine eigenen Werte verteidigen. Wie mann man dann erwarten, den IS zu schlagen?

Bildergebnis für isis besser als westen





Von Brendan O'Neill, 23. März 2016


Hier mal etwas ernücherndes für Sie: Gestern haben IS-Sympathisanten innerhalb von einer Stunde in Brüssel fünf Mal so viele Zivilisten getötet, wie britische Luftschläge in Syrien seit Dezember IS-Kämpfer getötet oder verletzt haben. Nochmal, die letzte Zählung von Ende Februar geht davon aus, dass durch britische Luftschläge in Syrien in drei Monaten gerade einmal sieben IS-Kämpfer getötet oder verletzt wurden. Sieben. Nicht einmal 10; sieben. In Brüssel dagegen hat eine kleine Bande von IS Fanatikern 35 Zivilisten ermordet.

Die britischen Luftschläge in Syrien wurden im Nachhall der Anschläge in Paris mit Pauken und Trompeten gestartet. Hillary Benn wurde überall gelobt für seine Parlamentsrede, in der er sagte, "Das was wir über Faschisten wissen ist, dass wir sie schlagen müssen." Die meisten Medien gingen in den Churchill-Modus. Es gab ein Gefühl, dass wir, wie unsere Großväter vor 70 Jahren von nun an gegen den Faschismus kämpfen würden.

Die Wirklichkeit ist eine andere. Es dauerte vier Wochen mit britischen Luftangriffen, um den ersten IS-Faschisten zu töten. Viele der Angriffen wurden mit Drohnen durchgeführt, was ein Luftwaffenexperte dazu verführte, die Britische Intervention als "Nicht-Ereignis" zu titulieren. Und dann im Februar wurde bestätigt, dass bislang lediglich bei vier Angriffen IS-Kämpfer getötet wurden, in denen sieben von ihnen getötet oder verwundet wurden. Churchill? Papas Armee schon eher.

Natürlich gab es gute Gründe, warum die IS Terroristen in Brüssel mehr Menschen in einer Stunde töten konnten, als die britische Luftwaffe (RAF) IS-Kämpfer in Syrien. Jene Terroristen waren gezielt aufs töten aus. Und ihr Ziel war: So viele wie möglich zu treffen mit ihren primitiven Bomben, um ein Medienspektakel mit verbluteten Europäern auszulösen. Die RAF dagegen muss darauf achten, keine Zivilisten zu treffen und ist genauso daran interessiert, den IS mit dem Zerstören der Infrastruktur zu treffen, wie auch die Kämpfer zu treffen.

Und doch gibt es keine Zweifel über die luft zwischen der Rhetorik unserer Führer zum IS und den Dingen, die sie bereit sind dagegen zu unternehmen. Sie beschreiben den IS als kollosale und existenzielle Gefahr für westliche Werte und doch schicken sie keinerelei Soldaten, keine Bodentruppen, um dagegen Krieg zu führen. Nur gelegentlich kommt ein bemanntes Flugzeug, oder eines das von einem Roboter gesteuert wird.

Hört man sich das erhitzte Gerede unserer Führer über die Bekämpfung der Faschisten an und schaut sich dann das warme Vorgehen in Syrien an, dann bleibt folgendes hängen: Entweder sie glauben ihrer eigenen Rhetorik bezüglich dem IS nicht, und dass es eine moralische Gefahr ist und deshalb eher zurückhaltend beim Angreifen sind, oder sie glauben es haben aber nicht den Mumm, die moralische Grundfestigkeit, um den IS tatsächlich zu bekämpfen. Ich denke, es ist das letzte.

Die Ära des Is zeichnet sich gerade damit aus: Der westen hat die militärische Macht, den IS zu bekämpfen, ist moralich aber nicht überzeugt. Er hat die Maschinerie und die Soldaten, aber es fehlt an allem, was einen Krieger auszeichnet: Der tiefe Glauben in das, wofür gekämpft wird, in diesem Fall wären es die Ideale der Aufklärung, unsere freien und offenen Gesellschaften, die zweifellos der rückwärtsgewandten Lebensart überlegen ist. Wir im Westen sind uns einig im Hass auf den IS, aber es herrscht keine Einigkeit darüber, ob die westliche Lebensart etwas ist, das es wert ist zu verteidigen, oder überhaupt etwas sei, das gegenüber anderen Gesellschaftsansätzen bevorzugt werden sollte.

Wir werden bei jedem Anschlag mit diesen tiefgreifenden Selbstzweifeln konfrontiert. Nach Paris war es die Vermutung, dass sich die Franzosen den Terror selbst gebracht hätten mit ihrem Militarismus im Ausland, gefolgt vom Händeringen all der Leute, welche die französische Trikolore schwenkten und die Nationalhymne sangen, was von einem der Spezialisten beim Guardian umschrieben wurde mit furchtbar und rassistisch und "nicht allzu weit weg von der Hymne des IS". Nach Belgien das selbe mit dem Geschwafel darüber, wie Europa seine Moslems falsch behandeln könnte und das der Grund für die Anschläge sein könnte, und es gibt bereits ein Grollen darüber, dass Leute in den sozialen Medien ihre Solidarität mit einem Bild von Tintin bekunden - ja, wissen sie denn nicht, dass Tintin ein "Rassist" ist und "unangenehm spaltend" wirkt?

Zu oft schwingt die Aussage mit, der Westen sei verrotet und rassistisch: Dass wir Terrorismus einladen, ihn vielleicht verdienen mit unserer gedankenlosen Außenpolitik oder unseren rassistischen Traditionen. Der Aufschrei nach dem 11. September war "Warum hassen sie uns?" hat den Weg bereitet für das Selbsthassmantra: "Natürlich hassen sie uns - wir sind Schweine."

Die Weigerung, sich hinter die westlichen Werte zu stellen wurde institutionalisiert durch die Idee der Islamophobie, die nichts mit dem Schutz von Muslimen vor Diskriminierung zu tun hat - das wäre eine noble Sache - sondern viel mehr mit der Meinungskontrolle der Glaubensäußerung, wonach der Westen durch seine aufgeklärten Werte überlegen sei. In den Worten der Runnymede Denkfabrik, welche die Definition für Islamophobie hervorgebracht hat, ist jeglicher Glaube, die islamische Lebensweise sei "der westlichen unterlegen" ein Ausdruck von Vorurteilen und jedem sollte klar gemacht werden, dass der islamische Blick auf die Welt "genauso wertvoll und respektierenswert ist [wie der westliche]". Gesetze und Richtlinien gegen Islamophobie repräsentieren die Institutionalisierung des Relativismus, der Unterdrückung einer proaktiven und stolzen Verteidigung aller Tugenden der westlichen Welt und ihrer geisigen Leistungen.

Und dann erwarten wir ernsthaft, dass wir es mit dem IS aufnehmen können? Nein, tut mir leid: Man kann westliche Werte nicht am anderen Ende der Welt verteidigen, wenn man sich nicht einmal zu Hause in der öffentlichen Debatte verteidigen darf. Mut ist eine Funktion des Glaubens; wir nehmen gerne Risiken auf uns, wenn wir um etwas kämpfen, an das wir wirklich glauben. Der Grund, weshalb der Westen unfähig scheint, irgendeine Art von ernsthaftem Krieg - und das heisst auch mit Bodentruppen - gegen den IS zu führen liegt daran, dass der Glaube an die Wichtigkeit der eigenen Werte verloren gegangen ist.


Im Original: The West won’t even defend its own values. How can it be expected to defeat Isis?

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