Mittwoch, 14. September 2016

Counterpunch: IS Kämper verrät den Plan seiner Organisation für den Fall einer Niederlage in Syrien, Teil 2




Als sunnitischer Araber steht Faraj sowohl den Türken als auch den syrischen Kurden kritisch gegenüber. Er drückt seine Abneigung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus, gibt aber zu, dass "er viel besser ist als die arabischen Diktatoren". Gleichzeitig hält er Herr Erdogan "für verantwortlich, dass Syrien zerstört wurde", indem er den Konflikt mit den Kurden in der Türkei anheizte, was dann über die Grenze nach Syrien überschwappte und "indem er den IS unterstütze und diese nach Syrien brachte".

Verteidiger des türkischen Vorgehens meinen, dass unabhängig von der vormals womöglich vorhandenen Sympathie der Türkei gegenüber dem IS, dass die beiden über das letzte Jahr hinweg miteinander im Krieg standen. Es gab wiederholt IS Anschläge in der Türkei, darunter jener am internationalen Flughafen von Istanbul, bei dem 42 Menschen starben und jener bei einer kurdischen Hochzeit in Gaziantep am 20. August, als 54 Menschen getötet wurden und von denen 21 Kinder waren. Aber trotz Herr Erdogans IS feindlicher Rhetorik lässt die zurückhaltende Reaktion des IS beim türkischen Einmarsch, der nominell wegen des IS passierte, vermuten, dass die Verhältnisse zwischen dem IS und der Türkei, so offen sie in der Vergangenheit waren, noch nicht ganz tot sein könnten.

Paradoxerweise ist Faraj trotz seines Enthusiasmus über die Verbreitung des IS und dessen Grundwerte in andere Länder sehr kritisch, was die ausländischen Freiwilligen betrifft, die nach Syrien kamen um für das selbsternannte Kalifat zu kämpfen. Er fand diese Ausländer, darunter Briten, Franzosen und Türken überraschend ignorant in Bezug auf den Islam und die Sitten vor Ort, die oftmals vom unglücklichen Leben oder Langeweile angetrieben waren und nur für Propagandazwecke oder Selbstmordanschläge zu gebrauchen waren. Noch schlimmer ist, dass ihre Verfehlungen die Syrer entfremdete, die davor den IS unterstützten. Er sagt dazu:

"Als der IS kam waren die Einwohner glücklich und begrüßten es. Die Menschen glaubten wirklich, der IS wäre ihr Retter, allerdings konnten sie psychologisch und sozial nicht akzeptieren, dass ausländische Kommandeure das Sagen über ihren Alltag hatten. Beispielsweise beschwerten sich die Menschen in Rakka, als ein saudischer Emir physische Gewalt nutzte, um eine Frau zum Tragen des Niqab zu zwingen. Jeder wäre verärgert, wenn ein Fremder kommt und sich in das Leben einmischt und zwar nicht als Gast, sondern als Herrscher, der den Leuten sagt, sie sollen seinen Befehlen gehorchen. Ich war verärgert, als ein Tunesier mir befahl in die Moschee zu gehen und mir mit einem Stock auf den Rücken schlug."

Faraj findet seinen Trost im Gedanken, dass das Verhalten der fähigen aber rauen kurdischen Guerilla Kommandeure, die von der YPG 2012-13 als Militärberater zu den syrischen Kurden geschickt wurden vergleichbaren Ärger verursachten. Die das Training leitenden türkischen Kurdenoffiziere verbrachten ihr ganzes Leben in Militärlagern und "waren harsch und genossen nie ein ziviles Leben." Er vermutet, auch die Syrer, welche die Regierung in Damaskus unterstützen reagieren mit einer vergleichbaren Feindseligkeit, wenn sie von ihren russischen und iranischen Verbündeten herumkommandiert werden.

Der Krieg in Nordsyrien unterscheidet sich stark von dem was im Rest des Landes vor sich geht. Die Hauptakteure sind Kurden, Araber, der IS, die YPG und die Türkei, wobei die Regierung in Damaskus nur geringfügig involviert ist. Faraj sagt, dass sich viele Araber im Gebiet dem IS ganz einfach nur deswegen anschlossen, weil sie von der YPG verfolgt worden wären. Als Beispiel führt er zwei Cousins aus seinem Heimatort Tal Hamisam westlich von Hasakah am Fluss Khabur an, die im Kampf mit der YPG gefallen sind. Ihre Häuser in Tal Hamis wurden von der YPG konfisziert und die Witwen der beiden standen völlig mittellos da, "weshalb sich ihre Kinder aus Rache für ihre Eltern dem IS anschlossen".

Dieses Muster wiederholt sich überall in Syrien und dem Irak. Die Protagonisten lieben die Sache ihrer Seite vielleicht nicht, aber immerhin hilft sie ihnen dabei einen Feind zu bekämpfen, den sie fürchten und hassen. Er weist dabei auf einen seiner früheren Kommandeure hin, einen kurdischen Emir namens Abu Abbas al-Kurdistani, der im Kampf gefallen ist, und der vor dem Krieg im irakischen Kurdistan ohne Verfahren oder Urteil vier Jahre lang gefangen gehalten und gefoltert wurde. Kurdistani sagte, der IS sei ideal für ihn, weil er "die beste Möglichkeit für unterdrückte Menschen" sei und er ihm "die Gelegenheit für Rache gab." An keiner Stelle im Interview anerkennt Faraj die Rolle, welche die Gräueltaten des IS nicht nur in Syrien und dem Irak, sondern weltweit spielten, dass es nun eine ganze Reihe von Feinden gibt, welche die IS Bewegung nun einkreist und sie womöglich überwältigen wird. Zurück zum ersten Teil.


Im Original: ISIS Fighter Reveals Group’s Plan If Defeated in Syria

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